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Weidemyopathie!

Was ist das?

Die Weidemyopathie oder atypische Myopathie ist eine schwere Muskelerkrankung, die durch eine vermehrte Aufnahme von Ahorngewächssamen entsteht. Vor allem der heimische Bergahorn ist in diesem Zusammenhang zu erwähnen. Sehr häufig führt eine Vergiftung mit Bergahornsamen zum Tod des Pferdes innerhalb von 72 Stunden (70-90%).

Welche Pflanzenteile sind giftig?

Vor allem die Samen des Bergahorns enthalten eine hohe Konzentration des Toxins Hypoglycin A. Hypoglycin A und seine Abbauprodukte führen zu einem Enzymmangel in der Muskelzelle, was dazu führt, dass die Muskulatur nicht die nötige Energie zugeführt werden kann. Zur Folge ist eine schwere Erkrankung der gesamten Körpermuskulatur.

Welche Anzeichen kann ich erkennen?

Betroffene Pferde zeigen häufig:

  • Kolikanzeichen
  • Muskelzittern
  • Hinterhandschwäche
  • Starkes Schwitzen
  • Schmerzhafte und verhärtete Kruppen- und Rückenmuskultur
  • Eine erhöhte Körpertemperatur
  • Erhöhte Atem- und Pulsfrequenz
  • Taumeln
  • Absatz von dunkelbraunem Harn

Die Symptome und der Krankheitsverlauf ähneln stark der belastungsbedingten Myopathie, besser bekannt als Kreuzverschlag.

Was muss ich tun?

Sollte das Pferd auf einer Weide oder Paddock stehen, die sich in unmittelbarer Umgebung zu Ahorngewächsen befinden und ich beobachte eines oder mehrere der o.g. Symptome, sollte ich umgehend einen Tierarzt/in alarmieren. Hierbei ist zu beachten, dass die flugfähigen Samen durch den Wind über weitere Strecken verteilt werden.

Durch die Bestimmung der Muskelenzyme im Blut oder Abbauprodukte des Hypoglycin A im Harn kann die Erkrankung nachgewiesen werden und umgehend ein Therapieversuch eingeleitet werden.

In diesen Fällen können eine intensive Infusionstherapie und die Verabreichung von entzündungshemmenden Schmerzmitteln die Symptome lindern. Zudem sollte das Pferd trocken und warm, ähnlich wie bei einem Kreuzverschlag, aufgestallt werden. Stress sollte unbedingt vermieden werden. Außerdem wird der Verabreichung von Vitaminen (Vitamin B12, C und E) und Selen als Radikalfänger eine positive Wirkung zugesprochen.

Die Prognose hängt stark von der aufgenommenen Menge an Samen, sowie der frühzeitigen Erkennung und Ausprägung der Symptome ab.

Was kann ich tun um mein Pferd zu schützen?

Im Idealfall befinden sich Paddock und Weiden nicht in der Nähe von Bergahornbäumen, allerdings ist dies nur schwer zu realisieren. Dazu muss man sagen, dass Pferde in der Regel die Samen der Ahorngewächse meiden. Allerdings sollte gerade im Herbst und Frühjahr, wenn das Nahrungsangebot auf den Weiden knapp ist, besonders darauf geachtet werden, dass die Pferde zu jeder Zeit eine ausreichende Menge an Heu und Wasser zur Verfügung haben. Dies gilt natürlich für den Paddock im besonderen Maße.

Wie erkenne ich den Bergahorn?

Die Laubblätter sind in Blattstiel und Blattspreite gegliedert. Die bis etwa 20 Zentimeter lange und meist 10 bis 15 (8 bis 20) Zentimeter breite Blattspreite ist fünflappig,  wobei die mittleren drei Blattlappen voll ausgebildet sind. Im Vergleich zum Spitzahorn sind die Blattlappen des Berg-Ahorns kürzer zugespitzt und die Spitzen der Blattlappen nicht in langen, schmalen Zipfeln ausgezogen.